Forschung rund um den Strassenbau

7. Internationale EATA-Konferenz in der Schweiz

Die Empa war dieses Jahr Gastgeberin der alle zwei Jahre stattfindenden Konferenz der «European Asphalt Technology Association» (EATA). Vom 12. bis 14. Juni traffen sich rund 200 Teilnehmende erstmals in der Schweiz. Dabei dreht sich alles um Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Asphalttechnologie und deren Nachhaltigkeit.

Remigius Nideröst

Die «European Asphalt Technology Association» (EATA) ist eine seit 2004 bestehende informelle Organisation europäischer Ingenieure und Wissenschaftler, die an der Erforschung und Entwicklung von Technologien rund um das Thema Asphalt interessiert sind. Alle zwei Jahre gibt ihnen die Konferenz Gelegenheit, sich über neuste Technologien und Trends in der Asphaltforschung auszutauschen. An der Tagung vom 12. bis 14. Juni trafen sich rund 200 internationale Expertinnen und Experten, um sich über vielfältige Aspekte auf ihrem Fachgebiet zu orientieren. Konkret sind das etwa: die Dauerhaftigkeit von Belägen und bitumenhaltigen Bindemitteln, Umweltaspekte, Asphaltrecycling, strukturelle Charakterisierung und Dimensionierung, innovative Beläge, Schädigung, Alterung und Leistungsfähigkeit von Belägen sowie Strassenerhaltung.

Abfallstoffe als wertvolle Ressource
Jährlich werden in Europa rund 4,7 Millionen Kilometer neue Strassen gebaut, ausserdem braucht das bestehende Netz permanenten Unterhalt. Kürzlich hat die Europäische Kommission im Rahmen der «Science for Environmant Policy» aufgezeigt, dass aus dem Strassenbau stammendes wiederaufbereitetes Abbruchmaterial durchaus eine wichtige Rolle beim Bau von Europas Strassen spielen könnte. Eine im März veröffentlichte Studie unter Leitung der Empa gipfelte in der Aussage: «Abfallmaterial ist eine zu wenig genutzte Ressource beim Strassenbau in Europa.» Dies könnte – statt entsorgt oder verbrannt zu werden – nämlich bis zu 50 Prozent an Neumaterial ersetzen. Die Verwendung von wiederaufbereitetem Asphaltbelag könnte die Kosten um 50 bis 70 Prozent senken, wie eine US-Studie aufzeigte; und ausserdem Energie sparen und Emissionen von Treibhausgasen reduzieren.
So positiv dies auch klingen mag, der Umsetzung stehen jedoch noch diverse nationale Vorschriften im Weg. Denn je nach Land und Material sind unterschiedlich hohe Recyclingraten erlaubt. Während beispielsweise Spanien Krümelgummi aus Schrottreifen als Recyclingmaterial für den Strassenbau zulässt, verbietet die Schweiz diesen.

 

Energieeinsparung durch tiefere Verarbeitungstemperatur
Eine weitere Möglichkeit, beim Strassenbau Energie zu sparen ist es, die Verarbeitungstemperatur bei der Asphaltherstellung zu senken. Beim herkömmlichen Heissmisch-Asphalt-Verfahren werden die Steine auf 165°C und höher erwärmt. Kann die Temperatur auf 115°C gesenkt werden, verringert das den Energieverbrauch um etwa 40 Prozent und die CO2-Emissionen um 31 Prozent. Noch höhere Energieeinsparungen sind möglich, wenn die Produktionstemperatur noch weiter gesenkt wird. Tiefere Verarbeitungstemperaturen werden beispielsweise durch die Verwendung von Schaumbitumen möglich. Damit wird Bitumen bezeichnet, das durch die Zugabe von kaltem Wasser aufgeschäumt wird. Kombiniert mit einem Mineralstoffgemisch wird Schaumasphalt oder so genannter Niedrigtemparaturasphalt erzeugt. Dieser relativ junge Baustoff eignet sich besonders für das Kaltrecycling-Verfahren von Asphaltbelägen, deren Eigenschaften auch an der Empa noch weiter erforscht werden.

Verstärkung von Aspaltbelägen
Um die Lebensdauer bestehender Asphaltbeläge zu verlängern, werden diese oft mit verschiedenen Verstärkungsmethoden saniert. So werden etwa Gitter aus Polymer, Glas, Kohlenstoffasern oder Stahl in den Belag eingebracht. Diese Arbeiten bringen in der Regel positive Ergebnisse und verlängern das Leben eines Belages teilweise beträchtlich. In einer Forschungsarbeit untersuchten und verglichen Empa-Forscher im Labor und auf Versuchsstrecken verschiedene Sanierungssysteme.
Für die Wissenschaft steht noch viel Arbeit an aufzuzeigen, dass Recycling und die Verwendung unkonventioneller Baustoffkomponenten sich nicht nur finanziell lohnen, sondern auch im praktischen Einsatz bewähren. Einige der über 60 Vorträge an der diesjährigen EATA-Konferenz widmeten sich denn auch wissenschaftlichen Methoden, dem Recycling und Neuentwicklungen von Asphaltbelägen, der Qualitätssicherung von Verstärkungssystemen und des aus Altstoffen gewonnenen Rezyklats sowie dessen sicheren Wiederverwendung.

 

www.empa.ch